Handwerk und Industrie ab 1945

07_DDR.jpgWährend des II. Weltkrieges wurden in nahezu allen Zella-Mehliser Betrieben unter Einsatz tausender Zwangsarbeiter und Kriegsgefangener Rüstungsaufträge ausgeführt. Mit dem Kriegsende lag die Industrie am Boden. Erst unter der sowjetischen Militäradministration (SMAD) wurde die Produktion wieder befördert. Enteignungen und Demontagen von Industriebetrieben, die Dimension der allein durch die SBZ/DDR zu leistenden Reparationen an die UdSSR sowie der notwendige Neuaufbau von Schlüsselindustrien bestimmten das wirtschaftliche Entwicklungstempo – Verstaatlichungen und die Einführung der Planwirtschaft hingegen das Klima. Weil das private Eigentum an den Produktionsmitteln nach der neuen Staatsideologie als geschichtlich überholt galt, ging man gerade in Südthüringen immer rigoroser gegen Kleinindustrie und Handwerk vor. Hohe Ausgaben u.a. für Rüstungsgüter und teure Rohstoffimporte, aber auch Fehlentwicklungen und Disproportionen schwächten permanent die Wirtschaft und zwangen wiederholt zur Aufnahme von Devisen-Anleihen, die jedoch nur kurzzeitig halfen. Versorgungsengpässe waren daher alltäglich. Volkseigene Betriebe hatten wegen der ihnen zugeordneten sozialen Aufgabenbereiche eine große Bedeutung für die in ihnen Beschäftigten und die Region, denn ein Großteil des gesellschaftlichen Lebens fand in ihrem Umfeld statt. Täglich pendelten aus den Bezirken Suhl und Erfurt mehrere tausend Werktätige zur Arbeit nach Zella-Mehlis. Trotz der komplizierten Bedingungen, unter denen die Betriebe unterschiedlicher Eigentumsformen in Zella-Mehlis tätig waren, stehen die in ihnen gefertigten Produkte für handwerkliche Traditionen, für das Können und Engagement der Arbeiter und Ingenieure.

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