Zella-Mehlis ist reich an Geschichte!

 
Erfahren Sie in den Museen, Stadtmuseum in der Beschußanstalt », Technikmuseum Gesenkschmiede » und Heimatmuseum Benshausen » mehr über die Vergangenheit der Stadt, über deren Berühmtheiten, über Erfindungen, sportliche sowie technische Besonderheiten und lernen Sie Zella-Mehlis und Benshausen von einer anderen Seite kennen!
Viele meinen, nachdem sie ein Stadt- oder Heimatmuseum besucht haben, kennen sie alle, weil sie sich oft ähneln ... unsere Museen sind anders!  Kommen Sie uns besuchen und Sie werden überrascht sein, wie ein Museum sein kann, klar gegliedert, informativ, interessant gestaltet ... und Sie werden dann wissen, was die Welt ohne Zella-Mehlis wäre – undenkbar!

Neuigkeiten

Objekt des Monats April 2022 – Schwarzglas

Objekt des Monats April 2022

In vielen Haushalten finden sich noch heute Vasen oder andere Objekte aus sogenanntem Schwarzglas. Diese Art Glas hat eine lange Tradition. Ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in Böhmen eine Zierglasindustrie, welche sich besonders der Herstellung von farbigen Gläsern widmete. So entstand u. a. unter Verwendung von Mangan ein nahezu blickdichtes Glas – das Schwarzglas, welches allerdings bei genauerem Hinsehen eher dunkelviolett als schwarz ist.

Doch wo kommt dieses Schwarzglas her? Die berühmten Steinzeugfabrikate des englischen Herstellers Wedgwood waren vor allem im ausgehenden 18. Jahrhundert bis weit in das 19. Jahrhundert, und auch heute noch, sehr begehrt. Besonders das mit Mangan- und Eisensalzen schwarz gefärbte Steinzeug war als sogenannte „Basaltware“ oder „Egyptian Black“ im Handel und es wurde auch außerhalb von England verschiedentlich nachgeahmt. Diesem Trend folgten zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch die berühmten Glashütten Böhmens. So wurde ab etwa 1817 schwarzes Glas als sogenanntes Steinglas in der Glasfabrik Silberberg in Südböhmen hergestellt, um den englischen Vorbildern der Firma Wedgwood nachzueifern. Rasch begannen auch andere Glashütten in Böhmen und Niederösterreich mit der Nachahmung dieser Gläser, wo sie wegen des etwas anderen Herstellungsverfahrens „Metallgläser“ hießen.

Wie ist diese Art Glas in den Thüringer Wald gekommen? Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kamen auch viele Vertriebene aus dem Sudetenland, dem „Heida-Steinschönauer Glasgebiet“ nach Thüringen. Sie brachten ihr Wissen und ihre Fähigkeiten bezüglich der Herstellung und Veredelung von Farbglas mit. In der Folge entstanden in Arnstadt, Ilmenau, Wasungen, Meiningen und Zella-Mehlis Glasveredelungsbetriebe, die sich auch der Schwarzglasprodukte annahmen. Es entstanden vom Zeitgeschmack der 1950/60er Jahre inspirierte Dekore in Gold-, Silber- und Emailmalerei.

Bevor es in Zella-Mehlis begann, gründeten im August 1946 die beiden böhmischen Unternehmer John und Knöchel einen gleichnamigen Betrieb („John&Knöchel ‒ Kunst- und Hohlglasveredlung“) in drei Gebäuden der ehemaligen Polizeischule auf dem Döllberg in Suhl. Über 40 Beschäftigte, bestehend aus Fachkräften der ehemaligen Nordbömischen Glasindustrie fanden hier als Graveure, Schleifer, Kugler und Glasmaler eine Beschäftigung. Zum Sortiment gehörten Gebrauchsgläser, Vasen, Schalen, Flacons u. v. m. aus Weiß-, Farb- und Schwarzglas. Gebrannt wurden die mit Emailfarben bemalten Gläser in Brennöfen mit Holzfeuerung.

Döllberg
Die drei Gebäude des ersten Betriebes auf dem Döllberg in Suhl.

Belegschaft 1946
Belegschaft der Firma am ersten Standort auf dem Döllberg.

Im Jahre 1948 wurde, wegen Geschäftsaufgabe von John und Knöchel, der Betrieb unter der Leitung von Franz Schöneberger in eine GmbH umgewandelt. Nach der Rückführung der Gebäude auf dem Döllberg an die neu gegründete Volkspolizei musste ein neuer Produktionsstandort gefunden werden. Gute Voraussetzungen fanden sich in den Gebäuden der ehemaligen Waffenfirma Moritz und Gerstenberger am Malzhügel Nr. 1 in Zella-Mehlis, wo sie einige Jahre unter der Bezeichnung „VVB Glaskeramik Thüringen“ produzierte, bis sie ab 1. September 1959 in den „VEB Kunstglas Zella-Mehlis“ umgewandelt wurde.

Malzhügel
Neubeginn in den Gebäuden der Firma Moritz&Gerstenberger am Malzhügel 1, Zella-Mehlis.

In den folgenden Jahren hatte der Betrieb, je nach Auftragslage, eine Belegschaft zwischen 20 und 50 Arbeitern, Angestellten und Lehrlingen. Das Rohglas für die Produktion kam aus verschiedenen Regionen per Bahn oder LKW-Transport nach Zella-Mehlis, u.a. aus den Glashütten Schmiedefeld, Katzhütte, Wernigerode (Harz) oder Weißwasser (Lausitz).

Ab 1982 war die Firma nicht mehr eigenständig, sondern wurde in das Kombinat Technisches Glas Ilmenau als „VEB Kunst- und Hohlglasveredelung, Betrieb Wasungen, Betriebsteil 2 Zella-Mehlis“ eingegliedert. Die Geschichte des Betriebes endet im Jahre 1991. Nach Kündigung der zuletzt noch 36 Beschäftigten zum 31. März bemühte sich die Belegschaft darum, einen Interessenten für den Zella-Mehliser Betrieb zu finden. Die dann folgende Übernahme und Weiterführung der Firma durch einen westdeutschen Unternehmer unter dem Namen „Alte Thüringische Glas- und Porzellanmanufaktur“ endete durch verschleppte Insolvenz am 21. Dezember 1991.

Geschliffenes Glas
Nicht nur Schwarzglas, sondern auch kunstvoll geschliffene und gravierte Gläser kamen aus Zella-Mehlis.

Jagdmotive
Glasmalerei auf hohem Niveau! Hier ein Teil einer Glasserie für den Jagdfreund.