Zella-Mehlis ist reich an Geschichte!

 
Erfahren Sie in den Museen, Stadtmuseum in der Beschußanstalt », Technisches Museum Gesenkschmiede » und Heimatmuseum Benshausen » mehr über die Vergangenheit der Stadt, über deren Berühmtheiten, über Erfindungen, sportliche sowie technische Besonderheiten und lernen Sie Zella-Mehlis und Benshausen von einer anderen Seite kennen!
Viele meinen, nachdem sie ein Stadt- oder Heimatmuseum besucht haben, kennen sie alle, weil sie sich oft ähneln ... unsere Museen sind anders!  Kommen Sie uns besuchen und Sie werden überrascht sein, wie ein Museum sein kann, klar gegliedert, informativ, interessant gestaltet ... und Sie werden dann wissen, was die Welt ohne Zella-Mehlis wäre – undenkbar!

Neuigkeiten

Objekt des Monats März 2022 − Hirten-Wanderpokale

Zwei wunderschön geschnitzte Holzstatuen sind diesmal Gegenstand unserer Rubrik „Objekt des Monats aus den Zella-Mehliser Museen“.

Die beiden Wanderpokale „Hirte mit Herde“ und „Hirte mit Langhorn“ stammen noch aus dem Bestand des alten Heimatmuseums und haben natürlich auch im Stadtmuseum in der Beschußanstalt wieder ihren Weg in die Dauerausstellung gefunden. Sie bereichern den Ausstellungsteil Landwirtschaft, in welchem auch das Hirtenwesen näher beleuchtet wird.

Denn, wie viele noch aus der Geschichte wissen, hat das Hirtenwesen eine lange Tradition in Zella-Mehlis.

Obwohl einer der beiden hier gezeigten Pokale Schafe zeigt, war in Zella und Mehlis, später Zella-Mehlis, das Rinderhirtenwesen vorrangig. Jede Gemeinde bestellte im Frühjahr ihren Hirten, der alljährlich einer Prüfung über Tierhaltung, -pflege und -krankheiten unterzogen wurde. Dieser sammelte die Rinder der Dörfer auf den Marktplätzen, indem er sie mithilfe seines Hirtenhorns zusammenrief, und trieb sie dann auf die Weiden. Jeder Hirte hatte seine ganz speziellen Signale, die er auf dem Hirtenhorn blies, um die Rinder zum Auftrieb zu sammeln. Über jährlich neu festgelegte Triftwege ging es zu den Waldweiden, wo eine Mittagsrast von zwei Stunden zum Wiederkäuen eingelegt wurde. Die schlauen Tiere verließen dann beim Abtrieb selbständig die Herde Richtung ihres heimischen Stalls.

In den Wintermonaten war der Hirte u. a. als Hausschlachter und Fleischbeschauer tätig, außerdem kümmerte er sich um kranke und kalbende Tiere. Der Hirte des Ortes hatte auch die Pflicht, den Gemeindebullen sowie einen Hund zu halten. Auch in seinem Besitz befand sich ein eigens abgestimmtes Schellengeläut, wovon jede Kuh vor dem Auftrieb eine Glocke umgebunden bekam, damit sie immer wieder aufgefunden und zugeordnet werden konnte.

Das in Zella-Mehlis von 1953 bis 1973 gefeierte Hirtenfest hatte seinen Ursprung in der Hirtenzeche. Aufgrund des Rechtes, die heimischen Kühe auch auf den hennebergischen und hessischen Nachbarterritorien weiden lassen zu dürfen, fand vom späten 15. bis ins frühe 19. Jahrhundert alle sieben Jahre ein Treffen der Forstbeamten, Hirten und Bürger statt, auf welchem die Triftzüge besprochen, gemeinsam gegessen und getrunken und getanzt wurde.

In Erinnerung dieses Brauches trafen sich die Hirten des Thüringer Waldes in Zella-Mehlis zum Erfahrungsaustausch und zum Austragen des Hirtenblas-Wettbewerbs auf ihren Hirteninstrumenten um die heute im Stadtmuseum ausgestellten begehrten Pokale – und natürlich zum gemeinsamen Feiern.

Das gerade auch die Zella-Mehliser Bläser bei dem Wettbewerb im Hirtenblasen (Inschrift Pokal „Hirte mit Herde“) bzw. im Schalmeienblasen, wie es auf einer Inschrift des Pokals „Hirte mit Langhorn“ zu lesen ist, sehr erfolgreich waren, zeigt die Auflistung der Sieger auf den Pokalen, bei der unsere Stadt sehr gut vertreten ist. Daneben finden sich auch Namen aus Seligenthal, Tabarz, Gehren, Engelsbach, Poppenheim und Luisenthal.

Einer der Initiatoren des Hirtenfestes war der stadtbekannte Bäcker Werner Ansorg, den meisten unter dem Namen „Neubäck“ bekannt. Er etablierte das Hirtenfest mit dem Bläserfestival in der Stadt und war selbst Mitglied der letzten Hirtenbläser des Ortes. Im ehemaligen Heimatmuseum am Mehliser Markt sammelte er die Sachzeugen des Hirtenwesens, wie das Schellengeläut oder die Hirtenhörner, auf denen 1974 zum letzten Hirtenfest noch geblasen wurde. Im selben Jahr musizierten Werner Ansorg, Klaus Amberg und der „Härte-Jörch“ Hans-Jürgen Schneider, damals tatsächlich selbst Hirte, zum ersten Mal für die Öffentlichkeit auf den Hirtenhörnern. Im Laufe der Zeit wurde das Repertoire an Instrumenten erweitert, u.a. um Maultrommeln, Birkenblätter, Brummtöpfe, Schellentrommeln, Klanghölzer, Nasenpfeifen, Löffel und vieles andere.

Zu den Hirtenbläsern, die das alte Brauchtum auf ihren Instrumenten bewahrten und den Menschen nahebrachten, gehörten ebenfalls der Büchsenmacher Karl-Heinz Hartmann, der Museologe Lothar Schreier und der Feinmechaniker Frank Eiselt. Letzte beiden, noch immer in den Museen der Stadt beschäftigt, bewahren diese Tradition noch heute auf den Stadtfestumzügen von Zella-Mehlis.

Auch Friedrich Schlütter gehörte damals zu den Mitstreitern rund um das Heimatmuseum und entdeckte seine Leidenschaft für die alten Instrumente. Er baute eine Instrumentenwerkstatt auf und gründete die Musikgruppe „Thüringer Spielleut“, die durch seinen Sohn und dessen Familie auch heute noch historische Musik und Instrumente lebendig erhält.

Mit dem Übergang zur Koppelweide wurden die Hirten nach und nach überflüssig und die alten Traditionen versiegten.

Heute zeugen noch Flurnamen wie Hirtenwiese, Hirtenstieg, Trift, Kälberzähl und Kuhstirn von der einstigen Rinderhaltung im Ort.

Im Stadtmuseum in der Beschußanstalt kann man sich jedoch noch immer umfänglich über das Hirtenwesen in Zella-Mehlis informieren und wenn man Glück hat, singt einem Lothar Schreier den Vers der Härtefra oder Frank Eiselt spielt ein kleines Stück auf dem Birkenblatt. So lebt die Tradition und Werner Ansorgs Gedanke vom lebendigem Museum doch noch immer weiter.

HirteMitHerde

HirteMitLanghorn

Hirtenfest1

Hirtenfest2

Hirtenfest3

Hirtenfest4